Offene Öffis
Wiener Linien Open Data: Petition auch ohne Bürgerkarte
Wie sich eine Petition für offene Wiener-Linien-Daten auch ohne Bürgerkarte unterstützen ließ.
Open Data bei den Wiener Linien als politisches Anliegen
Die Forderung nach offenen Verkehrsdaten begleitete die Wiener Linien über mehrere Jahre. Im Zentrum stand der Wunsch, Fahrpläne, Echtzeit-Abfahrten und Liniennetzdaten unter einer freien Lizenz und in maschinenlesbarer Form zugänglich zu machen. Solche Daten bilden die Grundlage für Routing-Anwendungen, Abfahrtsmonitore und Auswertungen durch Dritte – also für genau jene Werkzeuge, die viele Fahrgäste im Alltag nutzen, ohne dass das Verkehrsunternehmen sie selbst betreiben muss.
Um diesem Anliegen Nachdruck zu verleihen, wurde eine Petition gestartet. Sie richtete sich an die Verantwortlichen in Stadt und Verkehrsbetrieb und sollte zeigen, dass eine relevante Zahl an Nutzerinnen und Nutzern an einer offenen Datenpolitik interessiert ist.
Das Hindernis: Bürgerkarte und Handysignatur
Petitionen und ähnliche Unterstützungserklärungen wurden in Österreich häufig über digitale Identitätsnachweise abgewickelt. Die damals gängigen Verfahren waren die Bürgerkarte und die Handysignatur – Vorläufer der heutigen ID Austria. Beide dienten dazu, eine Unterschrift rechtsgültig und eindeutig einer Person zuzuordnen.
In der Praxis bedeutete das eine Hürde. Die Bürgerkarte setzte einen passenden Chipkartenleser und eine Aktivierung voraus, die Handysignatur einen vorab durchlaufenen Registrierungsprozess. Wer keines der beiden Verfahren besaß oder nutzen wollte, war von der rein digitalen Unterstützung faktisch ausgeschlossen. Gerade bei einem Anliegen, das breite Beteiligung anstrebte, drohte dieser Umstand engagierte Personen abzuhalten.
Die Lösung: Unterstützung auf dem Postweg
Als Ausweg wurde ein analoger Weg angeboten. Wer über keine Bürgerkarte und keine Handysignatur verfügte oder den Aufwand einer Beantragung scheute, konnte die Petition offline unterstützen. Dafür stand ein Formular zum Herunterladen und Ausdrucken bereit.
Der Ablauf war bewusst einfach gehalten:
- das vorbereitete Formular herunterladen und ausdrucken
- die vorgesehenen Felder ausfüllen und die Unterstützung handschriftlich erklären
- das ausgefüllte Dokument per Post an eine angegebene Sammeladresse senden
Die eingegangenen Erklärungen wurden gebündelt und gemeinsam mit den digital abgegebenen Stimmen weitergereicht. Eine knappe Einsendefrist sorgte dafür, dass die Unterschriften rechtzeitig zur geplanten Übergabe vorlagen.
Einordnung
Der Doppelweg aus digitaler und postalischer Unterstützung ist ein typisches Muster bei Bürgerinitiativen, die auf möglichst niedrige Zugangsschwellen setzen. Während die elektronische Signatur Fälschungssicherheit und einen schlanken Ablauf verspricht, schließt sie zugleich Teile der Bevölkerung aus – etwa Menschen ohne entsprechende Ausstattung oder mit Vorbehalten gegenüber digitalen Identitätsnachweisen.
Für das Thema offene Verkehrsdaten ist dieser pragmatische Umgang bezeichnend: Die Debatte um Open Data bei den Wiener Linien wurde nicht allein in Fachkreisen geführt, sondern suchte aktiv die Beteiligung der Fahrgäste. Dass ein zusätzlicher Postweg eingerichtet wurde, unterstreicht, wie ernst es den Beteiligten damit war, möglichst viele Stimmen zu sammeln, statt sie an einer technischen Hürde scheitern zu lassen.